Worauf bei Fahrradunfällen von kleinen Kindern oder Stürzen mit dem Tretroller zu achten ist, berichtete Professor Dr. Jörg Heckenkamp, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e.V. (DGG) am 20. März 2024.

Nicht alle Gefäßblutungen enden harmlos als sog. blauer Fleck. „Deutlich gefährlicher kann es sein, wenn man sich einen Lenker in den Bauch rammt, wie es Kindern beim Sturz mit dem Fahrrad oder Erwachsenen beim Tretroller- oder Motorradunfall passieren kann“, erläuterte der Gefäßchirurg.

Dabei können Gefäße in Milz und Leber verletzt werden – mit der Folge innerer Blutungen, die lebensbedrohliches Ausmaß annehmen können. „Solche Lenkrad-Unfälle sehen wir immer wieder in der Klinik“, berichtete Heckenkamp. Lassen die Schmerzen nach einem Unfall nicht nach, sollte eine Abklärung mittels Sonographie erfolgen.

Auch unfallbedingte Frakturen bergen große Gefahren. So brechen sich kleine Kinder gelegentlich den Ellenbogen, wenn sie das Fahrradfahren lernen. Das Problem dabei: Drückt der gebrochene Knochen die Armschlagader ab, wird der Unterarm nicht mehr mit Blut versorgt – im schlimmsten Fall droht eine Amputation. „Ähnliches kann Motorrad- und Skifahrern bei einem Bruch des Schienbeinkopfs passieren“, ergänzte Heckenkamp. „Auch hier können Gefäße so abgeklemmt werden, dass die Blutversorgung des Unterschenkels ausbleibt und die Extremität abstirbt.“

Deshalb sei es wichtig, bei einem Knochenbruch stets die Durchblutung zu prüfen und den Puls zu fühlen. „Auch, wenn der Patient bereits eingegipst ist und über Beschwerden klagt, muss man nachschauen, ob alles in Ordnung ist“, betonte Heckenkamp. Mitunter entstehen durch den Gips Schwellungen, die Blutgefäße abklemmen.

Ist das Gefäßproblem erkannt, können Gefäßchirurgen eine Amputation sehr häufig durch einen chirurgischen Eingriff abwenden. „Sie richten dafür entweder den Knochen so, dass das Gefäß nicht mehr abgeklemmt wird“, erklärte Heckenkamp, „oder sie rekonstruieren das beschädigte Gefäß mit einer kleinen Naht, einem Flicken oder einem Bypass.“

Das stellt eine besondere Herausforderung dar, wenn es sich um eine der schwersten, lebensbedrohlichsten Gefäßverletzungen überhaupt handelt – um einen Riss in der Aorta im Brustraum, wie er häufiger durch Autounfälle bei höheren Geschwindigkeiten entsteht. „Dann geht es um Leben und Tod, denn die Betroffenen versterben sehr schnell an der inneren Blutung“, sagte der DGG-Präsident.

Der Patient wird umgehend in ein Krankenhaus geflogen, wo direkt eine Computertomographie durchgeführt wird. In der Klinik steht ein hochspezialisiertes Team aus Unfall- und Gefäßchirurgen zur sofortigen Notfalloperation bereit. „Bei einer solchen gravierenden Gefäßverletzung kommt es auf jede Sekunde an“, betonte Heckenkamp.

Anmerkung aus gutachtlicher Sicht

Falls eine entsprechende Abklärung versäumt wird und es durch die Blutung zu einer Schädigung oder gar zum Tod des Patienten kommt, kann das den Vorwurf eines Behandlungs- bzw. Befunderhebungsfehlers begründen, der dann ggf. gutachtlich abgeklärt werden muss.

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