Die Frage, ob der Begriff „Failed Back Surgery Syndrome“ korrekt ist, stellte Priv.-Doz. Simon Bayerl, Oberarzt an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, auf dem 11. Neurochirurgie-Update-Seminar am 3. und 4. März 2023 in Mainz zur Diskussion.

Das Schmerzsyndrom von Patienten mit Rücken- und Beinschmerzen, welches nach einer Wirbelsäulenoperation persistiert oder entstanden ist, wird als „Failed Back Surgery Syndrome“ oder auch Postlaminektomiesyndrom / Postnukleotomiesyndrom bezeichnet.

Bei dieser Nomenklatur wird jedoch weder differenziert, welche Pathologie noch welche Qualität die Schmerzen haben, kritisierte Bayerl. Der Begriff definiere auch nicht, ob die Schmerzen durch die Operation verstärkt/verursacht worden seien oder ob die Schmerzen einfach nur durch die Operation nicht haben verbessert werden können.

Durch die Nomenklatur „Failed Back Surgery Syndrom“ werde zudem suggeriert, dass die Operateure für die Schmerzen verantwortlich seien oder auch, dass die Patienten bei ihrer Operation gescheitert seien. Diese Stigmatisierung sei sicherlich kritisch zu sehen.

Auf der anderen Seite werde gerade für Neuromodulationsverfahren ein „Failed Back Surgery Syndrome“ als für die Kostenübernahme durch Kostenträger relevante Diagnose angesehen und in Leitlinien betrachtet. Auch hierdurch komme es jedoch zu einer Stigmatisierung, so Bayerl, da sicher nicht nur bereits operierte Patienten mit Wirbelsäulenerkrankungen von einem Neuromodulationsverfahren profitieren können.

Es erfolgten bereits unterschiedliche Vorschläge zur Verbesserung der Nomenklatur. In einer Expertenauswahl von Schmerztherapeuten und Neurochirurgen wurde 2021 als Terminus das „Persistent Spinal Pain Syndrome“ vorgeschlagen, wobei dieses – ähnlich wie beim CRPS – auch in Typ 1 (ohne Operation) und Typ 2 (nach Operation) eingeteilt wird. Diese neue Terminologie erscheint deutlich neutraler und angemessener und wird auch durch unterschiedliche Fachgesellschaften und Journals bereits unterstützt, berichtete Bayerl.

Christelis, N. et al. (2021). Persistent spinal pain syndrome: A proposal for failed back surgery syndrome and ICD-11. Pain Med., 22, 807–818.

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