Das erfolgreiche Management einer Fremdkörper-Ingestion, d. h. des Verschluckens eines Fremdkörpers, bei Kindern entscheidet sich in den ersten Minuten – und zwar nicht im Endoskopieraum, sondern bei der richtigen Einschätzung des Patienten, betonte Prof. Dr. Kai O. Hensel, Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin am Helios Universitätsklinikum Wuppertal, auf dem 19. Pädiatrie-Update-Seminar am 17. und 18. April 2026 in Mainz.

Die größte Herausforderung ist häufig nicht die Entfernung selbst, sondern das frühzeitige Erkennen der Risikokonstellation: Welcher Fremdkörper wurde ingestiert, wann ist es passiert und wo befindet er sich vermutlich? Gerade bei Knopfzellbatterien oder multiplen Magneten darf es zu keiner diagnostischen oder organisatorischen Verzögerung kommen!

  • Knopfzellbatterien im Ösophagus stellen einen absoluten Notfall dar. Bereits nach 15 bis 30 Minuten können relevante Schleimhautschäden auftreten. Der Stromfluss führt zur Hydrolyse mit Bildung von Hydroxidionen am negativen Pol und ausgeprägter Alkaliverätzung. Schwere Komplikationen umfassen ösophagotracheale Fisteln, Gefäßarrosionen (z. B. Aortenfistel) und letale Blutungen.
  • Die Ingestion mehrerer Magnete oder eines Magneten in Kombination mit einem metallischen Fremdkörper kann zu transmuralen Kompressionen, Drucknekrosen, Fistelbildungen oder Perforationen führen. Diese Konstellation gilt auch bei asymptomatischen Kindern als dringliche Interventionsindikation!
  • Nadeln, Fischgräten, Zahnstocher oder Glassplitter bergen ein Perforationsrisiko in allen Abschnitten des Gastrointestinaltrakts. Bei endoskopischer Erreichbarkeit im oberen Gastrointestinaltrakt sollte eine rasche endoskopische Bergung erfolgen.

Ebenso entscheidend ist die Frage, welcher Patient in welche Klinik gehört – nicht jedes Kind muss sofort in ein Maximalzentrum, aber Hochrisikokonstellationen gehören dorthin ohne Umwege. Letztlich ist es die strukturierte, klare Entscheidungslogik aus Anamnese, Bildgebung und Dringlichkeitseinschätzung, die Komplikationen verhindert, so Hensel – nicht Aktionismus, sondern zielgerichtetes Handeln ist gefordert.

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