Beim Delir handelt sich um eine häufig auftretende Komplikation bei Intensivpatienten, die schnell erkannt und behandelt werden muss, berichtete Prof. Dr. Detlef Kindgen-Milles von der Klinik für Anästhesiologie am Universitätsklinikum Düsseldorf auf dem 16. Anästhesie-Update-Seminar am 14. und 15. November 2025 in Wiesbaden.
Das Delir als akute zerebrale Dysfunktion wird manchmal auch plakativ als „Akutes Hirnversagen“ bezeichnet, um die Bedeutung im Vergleich zu anderen Organversagen zu unterstreichen. Die Pathophysiologie ist komplex und multifaktoriell und letztlich immer noch nicht vollständig verstanden.
Klinisch wird ein Delir definiert als ein unspezifisches akut auftretendes hirnorganisches Syndrom, das durch eine kombinierte Störung des Bewusstseins und der Aufmerksamkeit, der Wahrnehmung und Orientierung, des formalen Denkens, der Psychomotorik, der Emotionalität und häufig des Schlaf-Wach-Rhythmus charakterisiert ist. Häufig sind es vegetative Begleitsymptome, die im intensivmedizinischen Bereich zu erheblichen Komplikationen führen können.
Typisch ist ein fluktuierender Verlauf. Das klinische Bild des Delirs kann erheblich variieren, und zwar inter- und intraindividuell. So kann beispielsweise ein am Morgen nur leicht desorientierter Patient im Lauf des Tages oder der Nacht agitiert und erheblich selbst- oder auch fremdgefährdend werden. Verletzungen des medizinischen Personals werden beschrieben.
Grundsätzlich werden drei Delir-Formen unterschieden:
- Das rein hyperaktive Delir tritt nur bei etwa 1 % bis 15 % der Patienten auf. Diese Form entspricht in der Manifestation unserer klassischen Vorstellung von einem agitierten, unkooperativen und vegetativ stark aktivierten Patienten.
- Ein hypoaktives Delir betrifft etwa 25 % bis 43 %. Der Patient ist dann still, in sich zurückgezogen und inaktiv. Diese Delir-Form wird sehr häufig übersehen, weil der Patient ruhig ist und „keinen Ärger“ macht!
- Am häufigsten ist die Mischform mit etwa 55 %. Hier wechselt der Patient zwischen den verschiedenen Formen, wobei ein Übergang in die hypoaktive Phase klinisch von einem Ende des Delirs unterschieden werden muss.
Ein Delir ist mit einer signifikant erhöhten Morbidität und Mortalität, einer längeren Beatmungs- und Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation sowie im Langzeitverlauf oft mit anhaltenden kognitiven Beeinträchtigungen assoziiert. Es muss schnell erkannt und behandelt werden, betonte Detlef Kindgen-Mille, zumal Patienten mit Delir häufig nicht in das heimische Umfeld zurückkehren können, sondern in Pflegeheime entlassen werden. Mehrere nationale und internationale Leitlinien geben Empfehlungen zur Prävention, Diagnostik und Therapie.
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